Wenn sich die Arbeitsweisen ändern (könnten)

Halbleere Büros sind ein sichtbares Zeichen. Aber wofür eigentlich? Und wie soll man darauf reagieren?

Sammelt man Erklärungen für das warum der halbleeren Büros, so werden Bequemlichkeit und Arbeitsscheu regelmäßig genannt. Mit ein bisschen Abstand betrachtet könnte man sagen, dass das Problem personifiziert wird. Und damit kann man sich leicht den Blick auf tieferliegende Entwicklungen verstellen.

Dabei ist das Thema so vielschichtig wie emotional. Anstatt das große Potential für Entwicklung zu sehen, wird jedoch in oft stark polarisierenden Diskussionen agiert. So wird dann vor lauter Einseitigkeit nicht gesehen, dass es um die Flexibilisierung der Arbeitsweisen geht. Und damit auch um die Art, wie Organisationen gestaltet werden.

Klar muss aber auch sein, dass es keine ganz trivialen Antworten gibt, auch wenn das gerne durch Schlagworte wie agil, new work, Selbstorganisation oder hybride Arbeit suggeriert wird. Hinzu kommt, dass es auch keine fertige Antwort gibt, die man einfach kopieren könnte. Die Herausforderung ist vielmehr neue Arbeitsweisen und Arten der Organisationsgestaltung zu entdecken und auszuprobieren.

Dies macht jedoch die verzwickte Situation deutlich. Oft gibt es in Organisationen kaum oder gar keine Freiräume um etwas zu probieren. Ebenso ist es verpönt einen Fehler zu machen. Hinzu kommt, dass dies ein Entdecken und Probieren die Rollen von Führungskräften verändern könnte, die aber gleichzeitig gerade diese Entwicklungen fördern sollen.

Somit ergibt sich eine Situation, bei der man (als Führungskraft) etwas anders machen soll, dies bei voller Fahrt zu erreichen hat, und man darf gleichzeitig auch keine Fehler machen darf. Die subtile Botschaft? Eigentlich wollen wir gar nichts ändern, denn wir schaffen gar nicht erst den Rahmen dafür, dass sich etwas ändern könnte.

Erfrischend ist jedoch, dass trotzdem verschiedenste Unternehmen mit anderen Formen des Arbeitens experimentieren. Dies ist wichtig, denn es gibt wenig bekannte Formen die man einfach übernehmen könnte. Dabei zeigt sich, dass die Frage nach neuen Formen des Arbeitens eine intensive Auseinandersetzung mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen ist, die manchmal auch sehr kontroversiell gelagert sein können.

Experiment

Ein paar Gedanken dazu, natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Junge Menschen haben vielfach ein anderes Bild davon, welchen Stellenwert Arbeit in ihrem Leben haben soll. Arbeit und Einsatz werden zwar gesehen, aber das Streben nach einer Karriere ist nicht mehr in dem Ausmaß gegeben, wie vor 20, 30 oder 50 Jahren. Oft wird das dann einfach pauschal auf die - scheinbar falsche - Einstellung einer Generation reduziert, womit man nicht mehr genau hinhört.
  • Der Mangel an Fachkräften wird ringsum beklagt, gleichzeitig wird durch das Festhalten an starren Formen und Regeln eine Barriere geschaffen, die weiterhin größere Gruppen von qualifizierten Arbeitskräften benachteiligt: Frauen mit Kindern oder ältere Arbeitnehmern bei bester Gesundheit.
  • Eine steigende Zahl von Mitarbeitenden möchte nur noch 70% oder 80% arbeiten, möglichst bei vollem Lohnausgleich. Interessant ist dabei die oft singuläre Betrachtung. Würden das alle machen, dann hätte dies massive Auswirkungen auf viele Aspekte des Lebens, etwa die Gesundheitsversorgung, wo bereits jetzt vielfach großer Personalmangel besteht. Ebenso würde sich das in vielen Handwerksberufen auswirken, womit sich dann die Wartezeiten auf einen Handwerker um Monate verlängern und die Preise entsprechend nach oben anpassen würden.
  • Viele Firmen zeigen wenig Bereitschaft traditionelle Arbeitszeiten und -formen aufzugeben. Oft zeigt sich, dass in vielen Unternehmen Anwesenheitszeit mit Produktivzeit gleichgesetzt wird, und somit als dominante Steuerungsgröße dient.
  • uvm.

Es gibt angesichts der Vielschichtigkeit der Erwartungen keine triviale Antwort.

Gefragt sind tiefes Zuhören, ein Loslassen sowie
ein Einlassen auf andere Sichtweisen.

Auch wenn es manchmal schwer fällt.