Thermomix-Management

Machen Sie das auch schon?

Filterkaffee aufbrühen heißt über die Menge an Kaffeepulver und Wasser zu entscheiden. Bei der Kaffeemaschine Kapsel einlegen und Knopf drücken. Beides ergibt Kaffee. Aber nur in einem der beiden Fälle wurde gehandelt.

Hartmut Rosa beschreibt damit den Unterschied zwischen Situation und Konstellation. In einer Situation habe ich Spielraum und kann gestalten. Ich entscheide, ich habe Verantwortung. In einer Konstellation reduziert sich mein Zutun auf Vollzug. Ich folge vorgegebenen Schritten. 

Rosa erläutert das auch am Beispiel des Zubereitens eines Essens mit dem Thermomix: Das Gerät sagt mir, was ich wann hineingeben soll, rührt für mich, reguliert die Temperatur. Am Ende steht ein Ergebnis. Ein Essen, aber ohne persönliche Note. Und Kochen gelernt habe ich dabei nicht.

In Organisationen beobachte ich zunehmend das gleiche Muster. Immer mehr wird geregelt, und immer mehr gibt die KI „Lösungen" vor, denen dann unreflektiert gefolgt wird. Die Führungskraft liest die KI-Analyse, folgt der Empfehlung und setzt um. Vollzug statt Handeln. Man könnte auch von „Thermomix-Management“ sprechen. Was, nur nebenbei bemerkt, natürlich auch wieder einen Markt für einfache Führungs-Rezepte schafft.

Das Problem: So wie niemand mit einem Thermomix kochen lernt, so lernt niemand das Entscheiden, wenn man immer nur KI-Antworten folgt. Die Fähigkeit zu handeln verkümmert. Und mit ihr die Urteilsfähigkeit. 

Und wenn dann doch einmal jemand handeln (oder eben kochen) müsste, dann kann es niemand mehr.