Sommer 2026: Reports und nochmal Reports

Der Sommer 2026 ist gefüllt mit Reports über die Auswirkungen von KI auf die Organisationen. BCG, McK, PWC, Wissenschaftsrat und viele andere. Was mir dabei auffällt: Jeder Report sieht seinen Ausschnitt. 

Den Blick quer über die Reports suche ich vergeblich. 

Ein Beispiel: Der Wissenschaftsrat fordert die Hochschulen zu mehr Fokus auf fundiertes Fachwissen auf, damit man KI-Antworten später überhaupt beurteilen kann. Gleichzeitig beobachte ich an der Hochschule, wie Studierende immer mehr Aufgaben an KI auslagern. Ein Großteil vertieft sich weniger, viele lernen oberflächlicher. Da sie die Prüfungen trotzdem bestehen, bleiben sie dabei, ja verstärken diesen Zugang. 

Dann treten sie ins Unternehmen ein. Oder versuchen es. Allerdings sehr oft mit dünnerem Fachwissen als ihre Vorgänger. Dabei treffen sie auf Organisationen, die gerade entdecken, dass KI die einfachen Aufgaben billiger erledigt als Juniors. Und noch besser als Juniors ohne substantielles Fachwissen. Diese Juniors auf ein entsprechendes Level zu entwickeln wäre zudem noch mehr Aufwand als bisher.

Nun die unbequeme Frage: Tragen Studierende, die ihr Lernen auf KI auslagern anstatt sich in die Materie zu vertiefen, nicht selbst dazu bei, dass ihre Einstiegspositionen gestrichen werden? Denn wer schon mit weniger Substanz antritt, ist auch leichter ersetzbar. Oder wird erst gar nicht eingestellt. 

J. Horvath hat den Mechanismus auf den Punkt gebracht: „The expertise is what allows you to use the tool for production. AI is not there to help you develop expertise.”

 

Das ist nur eine von vielen Wechselwirkungen, die sichtbar werden, wenn man die Reports nebeneinanderlegt statt sie einzeln zu lesen.