Nutzungslimit erreicht

… außer man kennt sich aus. Dann wird es schnell befremdlich.

KI liefert auf nahezu jede Fragestellung überzeugt formulierte Antworten. Man könnte fast den Eindruck bekommen, sie wüsste alles. Außer man kennt sich in der Materie aus. Und nimmt sich die Zeit genau hinzuschauen. Dann steht vieles schnell auf wackeligen Beinen.

Was ich immer wieder beobachte ist, dass KI, je weniger Substanz ihre Antworten haben, immer aufwändiger argumentiert, bis es scheinbar stimmt. Sie erzeugt sich ihre eigene Bubble, in der sie mich dann auch einlullen möchte. Sie versucht mich abzuhängen, sie versucht mich mit einem Textschwall zuzuschütten, sie nutzt meine geteilten Perspektiven um daraus umformulierte Antworten zu geben.

Wenn ich dem ein Gespräch über ein zu lösendes Problem gegenüberstelle, dann fällt einiges auf. In der Diskussion stellen wir als soziale Wesen anhand vieler Kleinigkeiten fest, ob das Gegenüber sicher in der Meinung und der Sache ist. Wir erkennen, ob die präsentierten Daten belastbar sind, oder ob die Argumentationen nur sehr seicht und an der Oberfläche sind. Wir hören Zweifel, wir erkennen das Ringen nach Erklärungen, wir lesen die Körpersprache. Und wir arbeiten uns Schicht für Schicht vor, in einem Tempo und einer Fülle, die uns Menschen entspricht. Wir spüren Resonanz, oder haben eine innere Stimme, die uns anzeigt, wenn etwas nicht stimmen könnte.

All diese Hinweise fehlen in der Interaktion mit der KI. Und wir lassen uns verleiten, das als Wissen, als Expertise, und als Sicherheit der KI zu deuten. Wir können fast nicht mehr dagegen argumentieren.

Glauben wir zumindest.

Wenn ich es nicht selbst in die Hand nehme, dann ist das Nutzungslimit meine Rettung. Denn wenn das erreicht ist, bekommt mein Gehirn eine Pause. Ich kann die Dinge sacken lassen, mein eigenes Denken kann wieder einsetzen. Ich kann in mich hineinhören. Ich komme wieder in die Gestaltungsrolle. 

In der Verlangsamung erinnere ich mich, dass Entscheidungen ein sozialer und ein linguistischer Akt sind (Arie deGeus). Es zeigt mir an, dass es Zeit für ein Gespräch, ein gemeinsames Ringen mit einem oder mehreren Menschen ist. In unserer eigenen Geschwindigkeit, mit all den subtilen Signalen, die wir mitsenden.

Auf Organisationen übertragen heißt das für mich, dass es neue Formate braucht, die sicherstellen, dass der soziale und linguistische Akt erhalten bleibt. Und immer wieder wiederholt wird.