Intellektuelle Souveränität

Unter diesem Leitmotiv hat der deutsche Wissenschaftsrat eine Reihe sehr interessanter Empfehlungen für die Hochschulbildung herausgegeben. So wird auf Seite 35 festgehalten:

Intellektuelle Souveränität im Sinne der Fähigkeit, autonom zu denken und Entscheidungen selbst argumentativ zu begründen, erfordert ganz wesentlich auch inhaltliches Urteilsvermögen und setzt daher fundiertes fachspezifisches / domänenspezifisches Wissen voraus.“

Die Bedeutung für Hochschulen ist unmittelbar klar. Übertragen auf Unternehmen zeigt sich folgendes:

Im Bestreben möglichst viel an KI auszulagern, werden gerade viele Aufgaben von Juniors der KI übertragen. Ja, manches davon ist wirklich öd und kann viel schneller gemacht werden. Und die Juniors kosten Geld. Allerdings stelle ich fest, dass in vielen Unternehmen nicht wirklich bewusst ist, was die verdeckte Funktion dieser Einstiegsjahre war. Und weiterhin sein sollte: 

Es wird an kleinen Aufgaben gelernt. Man macht Fehler, die zwar unangenehm, aber verkraftbar sind. Man lernt daraus, man baut Erfahrung auf. Man bekommt größere Aufgaben, macht wieder Fehler, lernt weiter. Man bekommt ein Gespür dafür, wie hier entschieden wird. Abseits der Handbücher und der Regelwerke. Man baut die Netzwerke, die man später braucht. Man baut Vertrauen auf, um auch kritische Dinge auszusprechen.

Daraus entsteht genau jene Wissens- und Erfahrungsbasis, die Jahre später notwendig ist, um große Entscheidungen zu treffen, die über Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens entscheiden. 

Um es plakativ zu machen: Stellen Sie sich vor, ein Fußballverein entscheidet die Nachwuchsmannschaften aufzulösen. Das spart kurzfristig natürlich Geld und Ressourcen. Die Frage ist halt, wer in 5 oder 10 Jahren in der Kampfmannschaft spielt. Und wie.