Bessere Meetings

Meetings, in denen KI offen oder indirekt mitredet. Das wird zusehends normal. Und es bringt neue Probleme. 

In 2026 ist das kein Einzelfall mehr: Mehrfach konnte ich beobachten, wie bei Unklarheiten zu Begrifflichkeiten oder Themen mehrere hochrangige Führungskräfte schnell „ihre“ KI befragen. Abgesehen davon, dass ja jede KI durch die User bereits gebiast ist, verwenden sie natürlich auch verschiedene prompts. Und, auch dort wo es eine „Firmen-KI“ oder eine Policy gibt, kann man davon ausgehen, dass der eine oder andere einen anderen Anbieter nutzt, weil ihm da die Antworten besser gefallen. Wenig überraschend ist, dass die Antworten nun einen Bias in die jeweilige Richtung haben. Jede Führungskraft identifiziert sich mit der Antwort ihrer KI, weil sie sich ja bestätigt fühlt.

Früher hätte man einfach die verschiedenen Sichtweisen auf den Tisch gelegt, möglichst offen darüber diskutiert und gerungen, was denn nun der Fall sein könnte. Und sich auf eine gemeinsame Sichtweise verständigt. Ganz nebenbei wurde noch ein bisschen was an Sozialkapital und Identifikation geschaffen. 

Moment, ist es Ihnen aufgefallen? Haben Sie gerade die Nebenprodukte gesehen? 

Und 2026? Führungskräfte bekommen ihre individuelle Antwort. Und verteidigen nun ihre Sichtweise umso vehementer. 

Man übersieht dabei eines: Wenn ein Mensch eine Position vertritt, dann wird das als Meinung angesehen. Wenn die KI eine Position vertritt, dann gilt das als Antwort. Als richtige Antwort. Als Wahrheit. Und so wird die eigene Sichtweise plötzlich zur Wahrheit.

Von da geht es rasch: Schnell wird nicht mehr zugehört. Die Lagerbildung schreitet voran. Kommt es doch zu einem Ergebnis, welches nicht der eigenen Antwort entspricht, wird das noch mehr als Verlust wahrgenommen. Und die Wahrscheinlichkeit, dass dann alle hinter der Entscheidung bzw. Lösung stehen, sinkt.

 

Wie lange dauert es, bis wir wieder danach rufen, dass die Meetings besser werden müssen?